Entsorgungszentrum Borg: „Tag der offenen Tür“ zum dreifachen Jubiläum

Gleich drei Jubiläen auf einmal feiert der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Uelzen (awb) mit einem „Tag der offenen Tür“ am Samstag, 29. September, 13 bis 17 Uhr, auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Borg, Deponiestraße 10, 29571 Rosche: das 30-jährige Bestehen der Deponie, das 25-jährige Bestehen der Kompostierungsanlage und das 20-jährige Bestehen der Sickerwasserkläranlage.
 
Im Rahmen der Veranstaltung möchte der awb allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern  tiefere Einblicke in den abfallwirtschaftlichen Betrieb ermöglichen und rund um die Themen Abfallentsorgung, Deponietechnik, Bioabfallverwertung und Wasseraufbereitung informieren.
 
Die Besucher können sich an zahlreichen Ständen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebes und dessen Vertragspartner informieren lassen, sich bei Rundfahrten in Abfuhrfahrzeugen des awb einen Überblick über die Einrichtungen des Entsorgungszentrums verschaffen, den Fuhrpark besichtigen oder an verschiedenen Führungen teilnehmen, in deren Rahmen das Leistungsspektrum des awb und die Technik von Kompostierungsanlage, Sickerwasserkläranlage und Deponie vorgestellt wird. Wer einen Liter Bioabfall mitbringt, erhält dafür sogar ein Überraschungsgeschenk.
 
Zu erreichen ist das Zentrum über die Bundesstraßen 493 oder 191. Parkplätze sind vorhanden. Zudem ist ein Shuttle-Service vom Parkplatz zum Deponiegelände eingerichtet.
 
Medienvertreter sind während der gesamten Veranstaltung zur Berichterstattung herzlich willkommen. Über Ihre Teilnahme würden wir uns sehr freuen!
 

30 Jahre Deponie Borg – ein Rückblick

 

 

Deponie Borg 

Bis Mitte der 80er Jahre wurden die Abfälle des Landkreises Uelzen in verschiedenen kleineren Deponien abgelagert; bis heute sind die Altdeponien in Kirchweyhe, Rosche, Vinstedt und Holdenstedt-Borne in der Nachsorge und werden damit regelmäßig überprüft und ggf. gesichert. Anfang der 80er Jahre wurde die Notwendigkeit einer Zentraldeponie gesehen und ein Standort in Borg, Gemeinde Rosche festgelegt.

 

Kapazität und Ablagerungsmengen

1986-1988 wurde der erste Bauabschnitt der Deponie errichtet und Ende 1988 in Betrieb genommen; er hat eine Kapazität von 300.000 m³. Der 1. Bauabschnitt wurde von 1988 bis 1996 mit ca. 329.000 t Siedlungsabfall verfüllt. Die Hälfte der Fläche ist inzwischen mit einer 1,5 mm starken Kunststoffabdichtungsbahn überdeckt. Dies dient vor allem zur Minimierung des Eintrages von Oberflächenwasser. Die Entgasung dieses Abschnittes erfolgt seit 1994.

 

1992 - 1995 wurde der zweite Bauabschnitt mit einer Kapazität von 800.000 m³ errichtet und 1994 in Betrieb genommen.

 

1993 verabschiedete die Bundesregierung die damalige „Technische Anleitung zur Verwertung, Behandlung und sonstigen Entsorgung von Siedlungsabfällen (TA Siedlungsabfall)“. Danach sollte die Deponierung unbehandelter Siedlungsabfälle nicht mehr zugelassen sein; eine Übergangsfrist wurde bis Mai 2005 eingeräumt. Die folgenden zehn Jahre waren geprägt von intensiven fachlichen und politischen Auseinandersetzungen über diese Festlegung, bis 2001 die Abfallablagerungsverordnung einerseits diesen Termin bestätigte, andererseits die Ablagerung von mechanisch biologisch vorbehandelten Abfällen ermöglichte.

 

Mitte 2005 wies die Deponie noch ein Restvolumen von 450.000 m³ auf. Seitdem dürfen nur noch mineralische Abfälle (z.B. nicht verwertbarer Bodenaushub, nicht verwertbarer Bauschutt, Asbestzementabfälle und künstliche Mineralfaserabfälle sowie Böden aus Sanierungsmaßnahmen) abgelagert werden. Diese Abfälle müssen vorgeschriebene Zuordnungskriterien für die Deponieklasse II (Einstufung des Entsorgungszentrum Borg) erfüllen. Die zur Deponierung zugelassenen mineralischen Abfälle sind in einem von der Aufsichtsbehörde genehmigten Katalog gelistet. 

 

Das Restvolumen des Bauabschnittes II betrug im Februar 2017 knapp 230.000 m³.

 

 

Kompostierungs- und Biogasanlage:

Die Kompostierungsanlage am Standort Borg wurde im Jahre 1993 in Betrieb genommen. In der ursprünglichen Konzeption wurde die Anlage durch die damalige Firma MABEG, jetzt VEOLIA, betrieben; das Anlagevermögen wurde jedoch von Anfang an beim Landkreis gehalten. Der Betreibervertrag der Firma Veolia lief 2005 aus und der Abfallwirtschaftsbetrieb übernahm die Kompostierung in Eigenregie.    

In der ursprünglichen Konzeption umfasste die Kompostierung eine aufwendige Grobaufbereitung in der hierfür errichteten Maschinenhalle. Die eigentliche Rotte erfolgte als offene Mietenkompostierung; mit einem automatischen Umsetzer wurde das Material regelmäßig umgewälzt, und durch einen Schlitzboden konnte es belüftet werden. 

Diese Technik entsprach aber nicht mehr den seit 2002 geltenden Anforderungen der TA Luft. Deshalb wurde im Sommer 2009 die Entscheidung gefällt, die Kompostierungsanlage durch eine Vergärungsanlage zu ergänzen. Die Anlage wurde anschließend ausgeschrieben, die Genehmigung eingeholt und errichtet; seit Anfang 2012 findet die Rotte nun in einem gekapselten Prozess in der Bioabfallvergärungsanlage statt. 2014 wurde die ursprünglich vier Fermenter umfassende Anlage um drei weitere Fermenter ergänzt. Nominell hat die Anlage nun eine Kapazität von 18.000 t pro Jahr. Die Bioabfälle werden nach der Verwiegung in der Annahmehalle abgekippt und dort zunächst bis zur Fermenterbefüllung gelagert; die Abluft der Annahmehalle wird erfasst und gereinigt. Etwa alle fünf Tage wird einer der Fermenter entleert und anschließend mit dem frischen Material befüllt; der Bioabfall wird bei diesem Verfahren nicht zerkleinert oder anderweitig aufbereitet, sondern so wie er ist per Radlader in den Fermenter gefahren. Dort wird er 21 Tage lang behandelt, im Wesentlichen durch eine gesteuerte Berieselung mit warmem Wasser bzw. „Perkolat“, das die notwendigen Bakterienkulturen für den Prozess enthält. Bei etwa 35°C im Fermenter wird so ein  Teil der Organik zu Biogas umgesetzt. 

Das Perkolat gelangt, nachdem es durch den Fermenter geflossen ist, in einen Perkolatspeicher; dort herrscht ebenfalls eine methanbildende Atmosphäre, so dass auch hier Biogas entsteht.

Die Behandlung im Fermenter endet mit der Einstellung der Berieselung und einer Nachbelüftungsphase, in deren Verlauf die Biogasbildung gestoppt und das Material „aerobisiert“, also mit Sauerstoff versetzt wird. Wenn der Fermenter gasfrei ist, wird er geöffnet und der Gärrest wird wiederum mit Radlader auf die Nachrottemieten gefahren. Die Nachrottemieten befinden sich in dem Bereich, in dem früher die Haupt-und Nachrotte stattfand. Während der Rotte erwärmt sich das Material noch einmal auf 55-60° und wird dabei hygienisiert.  Anschließend wird es abgesiebt und kann dann in verschiedenen Siebungen  als Kompost verkauft werden. Der Kompost wird – i.d.R- in Siebgröße kleiner 20 mm – in die Landwirtschaft sowie Forstwirtschaft und Landschaftspflege/Rekultivierung verkauft. Für Privathaushalte wird ein Siebschnitt < 10 mm erzeugt, der abgesackt oder lose verkauft wird. Der Kompost genügt den Anforderungen der Bundesgütegemeinschaft Kompost und seit 2016 auch den Bioland-Anforderungen. Es handelt sich also um güteüberwachten und zertifizierten Kompost.

Die für Siebung und Kompostlagerung vorgesehenen Flächen haben sich zwischenzeitlich als zu klein herausgestellt; außerdem ist im Sinne einer besseren Siebung und Lagerung eine Überdachung angezeigt. Diese Maßnahmen sind in Planung

Das entstandene Biogas wird zwischengespeichert und anschließend in Blockheizkraftwerken verstromt. In Borg stehen zwei Blockheizkraftwerke zur Verfügung; eines davon ist ein „HybridBHKW“, in dem gleichzeitig mit dem Biogas auch das Deponiegas verwertet wird. Der Strom wird, soweit er nicht den Eigenbedarf des Entsorgungszentrums deckt, eingespeist. Die Wärme dient zur Heizung von Fermentern, Betriebsgebäude und Kläranlage; außerdem kann auf einer Rottefläche auch Material getrocknet werden. 

 

Wertstoffannahme Borg :

Im Eingangsbereich des Entsorgungszentrums Borg befindet sich auch ein Wertstoffhof. In Borg werden alle Fahrzeuge verwogen; für Anlieferungen bis 200 kg werden pauschale Annahmegebühren erhoben, darüber hinaus bemessen sich die Gebühren nach der Menge. 

Im Kleinanliefererbereich stehen Container für folgende Abfallarten: Restabfall, Sperrmüll, Altholz, Bau- und Abbruchabfälle, Bauschutt, Grünabfälle, Altpapier, Altkleider, Altmetall und Elektro-/Elektronikaltgeräte. Fahrzeuge mit größeren Anlieferungen fahren direkt durch zur Kompostierung, zur Umschlaganlage (Restabfälle/Sperrmüll/Bau- und Abbruchabfälle) bzw. zum Schüttfeld (Bauschutt und Bodenaushub). 

Der Kleinanlieferbereich war relativ klein und bot deshalb nur beschränkt Annahmemöglichkeiten. Deshalb wurde 2017/2018 ein ohnehin anstehender Umbau des Eingangsbereichs genutzt, um diesen um 1.200 m² zu erweitern, die als Containerstellfläche genutzt werden können. 

 

 

Kläranlage:

Sickerwasser entsteht bei der Ablagerung von Abfall, wenn Regen in den Deponiekörper eindringt und durch Schadstoffe aus den Abfällen kontaminiert wird. Das Sickerwasser wird über Dränage-leitungen in die Sickerwasserfassung geleitet und zur betriebseigenen Kläranlage geführt, die seit 1998 existiert. Die Anlage besteht aus einem Sammelteich mit Belüftung, einem geschlossenen Speicherbehälter, einer biologischen Vorbehandlung, einer Flotation und einer nachgeschalteten Aktivkohlestufe. Aufgrund der hohen Belastung mit verschiedenen Schadstoffen ist für die Aufbereitung des Sickerwassers eine Reinigung in zwei Stufen erforderlich. Mit Hilfe der biologischen Reinigungsstufe mit Flotation und dem Einsatz von vier Aktivkohlefiltern wird das Sickerwasser soweit gereinigt, dass es den strengen gesetzlichen Bestimmungen entspricht und als Abwasser in die Wipperau geleitet werden kann.

Deponiegasnutzung:

durch den Abbau der organischen Substanz im Deponiekörper entsteht Deponiegas, welches in beiden Bauabschnitten gefasst wird. Das Gas wurde bis 2010 durch die SVO in einem Blockheizkraftwerk verstromt; die entstandene Wärme wurde und wird zur Heizung der Gebäude und in der Kläranlage eingesetzt, wo sie auch bei kalten Temperaturen den biologischen Abbau sicherstellt.

Im Zuge des Baus der Vergärungsanlage wurde die Gasnutzung neu geordnet und insbesondere in den Betrieb des Abfallwirtschaftsbetriebs übernommen; dies ist lukrativ, weil nach EEG auch für das Deponiegas Einspeiseerlöse zu zahlen sind. Nunmehr stehen zwei Blockheizkraftwerke für das Biogas und das Deponiegas zur Verfügung.

Die Deponiegas-Entstehung ist rückläufig, weil seit 2005 keine neuen organikhaltigen Abfälle mehr in die Deponie eingebaut werden dürfen. Jedoch hat eine 2017 durchgeführte Potentialgasanalyse ergeben, dass in beiden Bauabschnitten noch organische Substanz zu verzeichnen ist. Um dieses Potential zu nutzen, werden derzeit Verbesserungen am Gasfassungssystem durchgeführt.

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